Stanley Cup Finals 2009 – aus 14 Perspektiven

Die Detroit Red Wings empfingen die Pittsburgh Penguins das zweite Jahr in Folge im Kampf um die größte Trophäe der Eishockey-Welt. 2008 siegten die Red Wings, um dieses Jahr gegen die Penguins zu verlieren. Die entscheidenden Spiele fanden dabei jeweils auf gegnerischem Eis statt. Doch die kleinen Geschichten der beteiligten Spieler könnten unterschiedlicher nicht sein…

Stanley Cup Finals die Zweite: Pittsburgh in Detroit.

Stanley Cup Finals die Zweite: Pittsburgh in Detroit.

Marian Hossa“That’s life.” Wie sich Marian Hossa fühlen muss, bedarf keiner Erläuterung. Als größter Name des letzten UFA-Marktes im Juli 2008 musste er sich zwischen zwei vielversprechenden Optionen entscheiden: Einem Langzeit-Vertrag mit den Pittsburgh Penguins oder einem lukrativen Einjahres-Vertrag in Detroit. Er kam aus dem Spiel 6 gegen die Red Wings mit dem Pinguin auf der Brust und hängendem Kopf – aber die Seiten zu wechseln, hat für ihn genau nichts verändert. Im zweiten Jahr in Folge verlor Hossa ein Stanley-Cup-Finale nur knapp und musste als Heimspieler dem Gast beim Jubeln zusehen. Diesmal im roten Dress aus Motor City. Er wird wissen, dass er auch seinen Beitrag zum Misserfolg hatte – konnte er den Druck des Gewinnen-Müssens nicht bändigen.

Miroslav Satan — Nach 1.012 Saisonspielen und 73 Playoff-Einsätzen holte Miro Satan seinen ersten Stanley Cup. Ein Titel, den ihm nach dem 4. März nicht jeder zugetraut hätte. Für zehn Spiele musste der altgediente All-Star-Spieler aus der Slowakei in die AHL, ins Farmteam der Penguins. Eine unglaubliche Situation, die er beim Unterzeichnen des mit 3,5 Millionen Dollar dotierten Einjahres-Vertrages nicht zu antizipieren vermochte. Doch nur neun Wochen später, am 12. Juni, stemmte Miro mit dem teuflischen Nachnamen den Titel aller Titel in die Höhe. Er kam sozusagen aus der Hölle, als er mit Bill Guerin und Ruslan Fedotenko in der letzten Saison noch bei den New York Islanders spielte, in den Himmel. Miro ist der erste Spieler, der die A-, B- und C-Weltmeisterschaft sowie den Stanley Cup gewinnen konnte.

Bill Guerin — Kommen wir direkt zum Islanders-Kapitän des letzten Jahres: Für Bill Guerin ist es der zweite Cup nach 1995. Damals war er als junger Spieler mit den New Jersey Devils erfolgreich. Für Guerin war es eine der letzten, wenn nicht die letzte Möglichkeit auf den ganz großen Preis des Eishockeys. Diese ließ er sich nicht nehmen und stemmte den Cup direkt nach Kapitän Sidney Crosby in die Höhe.

Petr Sykora — Ein weiterer Spieler, der bereits mit den New Jersey Devils den großen Triumph erlebte, ist Petr Sykora. Aber im Spiel 6 des Jahres 2000 erlebte er die Cup-Präsentation auf dem Eis nicht mit. Verletzungsbedingt musste der Tscheche im Krankenhaus behandelt werden, als sein Team zumindest sein Jersey bei der Übergabezeremonie trug. Bei seinem zweiten Titel konnte er den Cup zum ersten Mal selbst hochheben.

Ruslan Fedotenko — Der bullige Flügelstürmer hat neben der geteilten Islanders-Geschichte einen weiteren interessanten Fakt zu erzählen: Denn auch er war bereits einmal Stanley-Cup-Sieger – mit den Tampa Bay Lightning im Jahr 2004. Das damalige Spiel 7, das letzte  7. Spiel in den Stanley-Cup-Finals vor dem diesjährigen, fand gegen die Calgary Flames statt. Auch damals führte sein Team mit 2-0, um dann 2-1 zu siegen. Dieses Jahr war es Maxime Talbot, der als neunter Spieler zwei Tore in einem Finalspiel 7 beisteuerte. 2004 war es, der achte Spieler dem dieser persönliche Erfolg zu Teil wurde, Ruslan Fedotenko.

Evgeni Malkin — Mit 36 Punkten wurde Malkin der erste Russe, dem die MVP-Würde in den Playoffs zugetragen wurde. Doch auch erst der zweite Pinguin, der die Art Ross und die Conn Smythe in einer Saison abstaubte. Der erste Pittsburgh-Spieler, dem das gelang, war Mario Lemieux im Jahr 1992.

Sidney Crosby — Auch Sidney Crosbys erster Titel wird ihm in besonderer Erinnerung bleiben. Nicht nur, dass er glatt vergaß, die Hand des gegnerischen Kapitäns, Nick Lidström, zu schütteln. Er war auch im Halbfinale bereit, die Conference-Trophäe feierlich anzufassen und hochzuheben. Beide gebrochenen Traditionen, wenn der verpasste Handshake auch keine Absicht gewesen sein wird, gehören zu seiner ersten Erfahrung mit Lord Stanley. Ganz nebenbei war sein echtes Finale um den Stanley Cup sehr kurz: Nach einer Verletzung zu Mitte des Spiels konnte der Kapitän nur noch einen Kampfeinsatz für die Moral mit einer Länge von 32 Sekunden einlegen. Insgesamt spielte er weniger als zehn Minuten in Spiel 7.

Dan Bylsma — Der erst 38-Jährige Coach des Titelträgers ist eine der besonderen Geschichten dieser Saison. Er brachte es trefflich auf den Punkt, als er sagte, dass manche Trainer Jahrzehnte kämpfen und nie eine Chance auf den Titel haben – aber er gerade mal einige Monate benötigte, um den Traum eines Jeden Eishockey-Beteiligten zu erfüllen. Er übernahm das Ruder in Pittsburgh in einer denkbar schlechten Situation: Am 15. Februar 2009 standen die Penguins am Rande einer total verkorksten Saison. Als Tabellenzehnter im Osten war man bereits einige Punkte von den Playoff-Rängen entfernt. Doch seitdem ging es nur noch aufwärts, über den 4. Platz am Ende der Spielzeit bis zum Sieg des Stanley Cups. Der Unterschied zwischen Verlierer und Gewinner war selten so deutlich: Die Zuversicht und Energie, die der ehemalige 4.-Linie-Spieler in die Umkleide brachte, formte aus Pittsburghs großen Potenzials ein echtes Meister-Team.

Jordan Staal — Nach seinem Bruder Eric, dessen Team aus Carolina er im Halbfinale niederrang, ist Jordan der zweite Staal-Bruder, der sich den Cup-Traum erfüllte. Die anderen beiden, Marc und Jared, könnten noch folgen. Damit wäre man zweifelsohne eine der erfolgreichsten Hockeyfamilien aller Zeiten.

Maxime Talbot — Dass er der erst neunte Spieler aller Zeiten ist, der in einem Finalspiel 7 gleich zwei Tore erzielte, wissen wir bereits. Aber der robuste Kämpfertyp steht bereits mit seinem Spitznamen für wichtige Tore. “The Gamer”, wie er in Pittsburgh auch genannt wird, gelang bereits ein Jahr zuvor in Spiel 5 gegen die gleichen Detroit Red Wings erst kurz vor Ende das Tor zur Verlängerung. Es ging damals wieder für ein Spiel 6 nach Pittsburgh. Dieses Jahr setzte er den absoluten doppelten Schlussstrich unter die Chancen der Wings.

Sergej Gonchar — Dreimal in den Finals und zum ersten Mal gewonnen. Interessant ist, dass Gonchar alle seine Finals gegen die Detroit Red Wings absolvierte. 1998 war er noch Spieler der Washington Capitals. Nun trat er zweimal in Folge als Pittsburgh Penguin gegen die Wings an.

Daniel Cleary — Das Pendant zu Talbot auf Seite der Wings heißt Daniel Cleary. Ihm kann man keinen Vorwurf machen, er gab mit Sicherheit alles und spielte stets am Limit. Dass er in den 23 Playoff-Spielen neun Tore erzielte, zeigt, was der Wille zum großen Erfolg in Bewegung setzen kann. Während der 74 Saisonspiele war der Flügelspieler nur 14 Mal erfolgreich. Aber der erste Neufundländer der im letzten Jahr seinen Namen auf den Cup gravieren durfte, war auch bester Plus-Minus-Spieler dieser Playoffs.

Justin Abdelkader — Es gibt nur wenige Spieler, die mehr Playoff-Spiele als Saisonspiele absolvierten. Abdelkader ist einer davon, zumindest noch. Aber es gibt noch weniger Spieler, die auch ihr erstes NHL-Tor in den Playoffs erzielten. Noch weniger gibt es, die ihr erstes NHL-Tor in einem Finalspiel machten. Und man ahnt es schon: Es gibt nur ganz ganz wenige Spieler, die gleich zwei Tore in den ersten beiden Finalspielen ihrer Karriere beitrugen, mit den ersten beiden Toren überhaupt in ihrer Karriere. Auch wenn er als Ersatzmann nach Spiel 3 nicht mehr zum Einsatz kam, ist sein Karrierestart ein ganz besonderer.

Kris Draper — Draper wechselte 1993 für nur einen Dollar nach Detroit. Nun verpasste er seinen fünften Titel mit den Red Wings nur knapp. Trotzdem ist der nicht mehr ganz so schnelle Checking-Line-Center ein echtes Erfolgs-Schnäppchen gewesen.

Gut zu wissen: 1945 gewann Toronto auch das zweite Spiel 7 um einen Stanley Cup nach 1942 in Detroit mit 2-1. Die Leafs sollten die neue Dynastie werden und vier Titel aus fünf Jahren holen. Eine Parallele mit den Pittsburgh Penguins dieser Tage erscheint naheliegend.

Und zum Schluss die Reihenfolge, in welcher der Cup nach der Übergabe durch Gary Bettman die Runde machte: 1. Sidney Crosby 2. Bill Guerin 3. Sergei Gonchar 4. Miroslav Satan 5. Petr Sykora 6. Hal Gill 7. Philippe Boucher 8. Ruslan Fedotenko 9. Craig Adams 10. Mark Eaton 11. Matt Cooke 12. Pascal Dupuis 13. Chris Kunitz 14. Brooks Orpik 15. Rob Scuderi 16. Marc-Andre Fleury 17. Maxime Talbot 18. Evgeni Malkin 19. Jordan Staal 20. Eric Godard 21. Kris Letang 22. Tyler Kennedy 23. Chris Minard 24. Alex Goligoski 25. Michael Zigomanis 26. Dan Bylsma.

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