Der gute Toews

Auch die Eishockey-Welt gehört in Kinderhände

CC by ESPN / CDN

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Es scheint als wären junge oder ungewöhnliche NHL-Kapitäne in Mode. Jonathan Towes, Kapitän der Chicago Blackhawks, ist einer davon. Mit einem Kapitän einer NHL-Franchise im Sinne einer Führungsfigur verbindet man normaler Weise einen älteren, etablierten und einflussreichen Spieler. Sozusagen einem 360-Grad-Vorbild.

Seit einiger Zeit ist ein ganz anderes Bild entstanden: Der Hoffnungsträger. Jonathon Toews wurde bereits mit 20 Jahren zum Kapitän ernannt, war aber keineswegs der Jüngste: Sidney Crosby war nur 19 Jahre alt, als er dieses Jahr zum ersten Mal das “C” seiner Pittsburgh Penguins auf der Brust trug. Vincent Lecavalier war mit 19 Jahren Kapitän in Tampa Bay. Roberto Luongo ist sogar als Torhüter der Mannschaftsführer in Vancouver – auch ohne das “C” auf dem Eis tragen zu dürfen (was seit Bill Durnan und über 60 Jahren nur Feldspielern vorbehalten bleibt).

Bisher war der Kapitäns-Status nur besonderen, erfahrenen Spielern vorbehalten. Einen sehr junger Spieler zum Leitwolf zu erklären, geschah eher selten. Steve Yzerman wurde 1986 mit 21 Jahren Kapitän der Detroit Red Wings, ein Amt das er bis zum Karriereende zwei Jahrzehnte später inne hatte. Aber Steve Yzerman ist ein absoluter Ausnahmespieler in der gesamten NHL-Geschichte. (Lesetipp: The Captain)

Warum der Wandel zur Jugend?

Die NHL-Franchises versuchen seit dem Lockout, das träge und wenig erfolgreiche Söldnerimage vergessen zu machen. Die Strategie wandelte sich und die Zeit der Identitätsfiguren brach an: Man entschied sich für einige Schlüsselspieler, die man mit sehr viel Geld für Jahre an den Verein bindet. Nur so sind hoffnungsvolle Zukunftsvisionen für die eigenen Fans zu schaffen.

Wer sind die jungen Kapitäne?

Die jüngsten NHL-Kapitäne der Geschichte

Die jüngsten NHL-Kapitäne der Geschichte

Roberto Luongo ist in Vancouver allgegenwärtig, doch berichten wir direkt über die echten “C”-Träger:

Vincent Lecavalier ist ein perfektes Beispiel, wie ein junger Kapitän mit der Last der Erfolgshoffnung umgehen muss. Als er im Jahr 2000 Kapitän der Lightning wurde, war die seit 1992 zur NHL gehörige Franchise aus Tampa Bay recht erfolglos: Nur 1995-96 erreichte man knapp die Playoffs, um in Runde 1 auszuscheiden. An Lecavalier gingen die mit dem Kapitänsamt verbundenen Leistungserwartungen nicht spurlos vorbei: Nach nur 37 Punkten in 2001 und zwei Saisons mit dem “C” verlor er das ehrenvolle Symbol wieder. Doch die nächsten vier Spielzeiten entwickelte sich Tampa prächtig, holte 2004 sogar den Stanley Cup. Seit der Saison 2008-09 ist Lecavalier, mit den Franchise-Rekorden aus 2006-07 von 52 Toren und 108 Punkten, sowie einem 85-Millionen-Dollar-Vertrag im Gepäck, wieder Kapitän – und Tampa wurde mit nur 66 Punkten NHL-Vorletzter. Mit dem Nachwuchsspieler Steven Stamkos schloß man die Saison 2009-10 mit 80 Punkten deutlich freundlicher ab.

Sidney Crosby, bereits in jungen Jahren die NHL-Figur der heutigen Zeit, schien aus dieser Entwicklung gelernt zu haben. Im Team der Pittsburgh Penguins, seit Mario Lemieux und Jaromir Jagr ein Team mit sehr erfolgreichen 90er Jahren, schien die Situation schwieriger: Als man ihm das Amt in der 2006-07er Spielzeit anbot, dachte er, “es wäre nicht richtig für ihn“. Er verstand, dass “deutlich mehr Verantwortung auf den Schultern lasten würde“. Als er schlussendlich das “C” vor der Spielzeit 2007-08 übernahm, brachte er sein Team direkt ins Finale um den Stanley Cup. Dieses verlor er gegen Detroit, doch revanchierte er sich im Folgejahr an gleicher Stelle und besiegte die Red Wings um den Stanley Cup wieder nach Pittsburgh zu holen. Seitdem gehören die Penguins in die Spitzengruppe der Liga. (Lesetipp: The Story of the Chicago Blackhawks (NHL: History and Heroes))

Nun kam die Geschichte der Chicago Blackhawks und des Jonathan Toews. Die Hawks, ein sogenanntes “Original Six”-Team und seit 1926 dabei, dazu dreifacher Stanley-Cup-Sieger, besitzt die größte historische Last der erwähnten Mannschaften. Seitdem Chicago 1992 gegen die besagten Penguins um Lemieux und Jagr erst im Finale verlor, ging es rasant bergab. Seit 1997 spielte die Metropole gar nur fünf magere Playoff-Spiele. Zehn Jahre später erholte sich das Team langsam, konnte diese Durststrecke aber nicht beenden. Im Sommer 2008 wurde Patrick Kane als bester Neuling mit der “Calder Memorial Trophy” ausgezeichnet. Mit Jonathan Toews und Kane, dazu einigen jungen Defensivspielern wie All-Star-Sensation Duncan Keith, fühlten sich die Blackhawks wieder bereit für den Angriff auf die Spitze. Man holte Brian Campbell für über 50 Millionen Dollar ins Team und konnte auch weitere gute Spieler hinzufügen. Die Stadt hat wieder Feuer für ihr Team gefangen, doch es fehlte der Kapitän. Toews ist nun dieser Kapitän, diese Identifikationsfigur, der den Erfolg zurückbringen soll – oder zumindest ein erfolgreiches Team anführen soll: “Jeder Spieler in unserer Kabine ist ein Führungsspieler auf seine Art und Weise“, lobt Toews seine Mitspieler. Dieser Toews also, der ein “ziemlich glücklicher Junge war, als er am Drafttag nach Chicago ging“. Nach einem weiteren Lehrjahr siegten die Blackhawks 2010 im Finale gegen die Philadelphia Fylers und holten den Stanley Cup nach Chicago. Toews wurde als wertvollster Spieler der Playoffs mit der Conn-Smythe-Trophy” ausgezeichnet. amit beendete ein junges Team nach 49 Jahren die zweitlängste titellose Phase eines NHL-Teams. Oder wie die NHL sagen würde: History is made – Eine echte Hollywood-Story.

Es sind diese Geschichten, die Eishockey und die NHL emotional erscheinen lassen. Ein knallharter Profisport, der um Attraktivität und Popularität kämpfen muss. Ein Sport, der junge Spieler zu Stars entwickelt. Eine Liga vergibt die größten Aufgaben, wie das Tragen des großen “C” auf der Brust, an die hoffnungsvollsten Talente.

Die NHL legt ihr Schicksal in Kinderhände!

Sie tut gut daran…

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