German NHL: Looks like #Ehrhof…
German NHL: Looks like #Ehrhoff vs. #Seidenberg may be an option for SCF 2011.
German NHL: Looks like #Ehrhoff vs. #Seidenberg may be an option for SCF 2011.
Die Detroit Red Wings empfingen die Pittsburgh Penguins das zweite Jahr in Folge im Kampf um die größte Trophäe der Eishockey-Welt. 2008 siegten die Red Wings, um dieses Jahr gegen die Penguins zu verlieren. Die entscheidenden Spiele fanden dabei jeweils auf gegnerischem Eis statt. Doch die kleinen Geschichten der beteiligten Spieler könnten unterschiedlicher nicht sein…

Stanley Cup Finals die Zweite: Pittsburgh in Detroit.
Marian Hossa — “That’s life.” Wie sich Marian Hossa fühlen muss, bedarf keiner Erläuterung. Als größter Name des letzten UFA-Marktes im Juli 2008 musste er sich zwischen zwei vielversprechenden Optionen entscheiden: Einem Langzeit-Vertrag mit den Pittsburgh Penguins oder einem lukrativen Einjahres-Vertrag in Detroit. Er kam aus dem Spiel 6 gegen die Red Wings mit dem Pinguin auf der Brust und hängendem Kopf – aber die Seiten zu wechseln, hat für ihn genau nichts verändert. Im zweiten Jahr in Folge verlor Hossa ein Stanley-Cup-Finale nur knapp und musste als Heimspieler dem Gast beim Jubeln zusehen. Diesmal im roten Dress aus Motor City. Er wird wissen, dass er auch seinen Beitrag zum Misserfolg hatte – konnte er den Druck des Gewinnen-Müssens nicht bändigen.
Miroslav Satan — Nach 1.012 Saisonspielen und 73 Playoff-Einsätzen holte Miro Satan seinen ersten Stanley Cup. Ein Titel, den ihm nach dem 4. März nicht jeder zugetraut hätte. Für zehn Spiele musste der altgediente All-Star-Spieler aus der Slowakei in die AHL, ins Farmteam der Penguins. Eine unglaubliche Situation, die er beim Unterzeichnen des mit 3,5 Millionen Dollar dotierten Einjahres-Vertrages nicht zu antizipieren vermochte. Doch nur neun Wochen später, am 12. Juni, stemmte Miro mit dem teuflischen Nachnamen den Titel aller Titel in die Höhe. Er kam sozusagen aus der Hölle, als er mit Bill Guerin und Ruslan Fedotenko in der letzten Saison noch bei den New York Islanders spielte, in den Himmel. Miro ist der erste Spieler, der die A-, B- und C-Weltmeisterschaft sowie den Stanley Cup gewinnen konnte.
Bill Guerin — Kommen wir direkt zum Islanders-Kapitän des letzten Jahres: Für Bill Guerin ist es der zweite Cup nach 1995. Damals war er als junger Spieler mit den New Jersey Devils erfolgreich. Für Guerin war es eine der letzten, wenn nicht die letzte Möglichkeit auf den ganz großen Preis des Eishockeys. Diese ließ er sich nicht nehmen und stemmte den Cup direkt nach Kapitän Sidney Crosby in die Höhe.
Petr Sykora — Ein weiterer Spieler, der bereits mit den New Jersey Devils den großen Triumph erlebte, ist Petr Sykora. Aber im Spiel 6 des Jahres 2000 erlebte er die Cup-Präsentation auf dem Eis nicht mit. Verletzungsbedingt musste der Tscheche im Krankenhaus behandelt werden, als sein Team zumindest sein Jersey bei der Übergabezeremonie trug. Bei seinem zweiten Titel konnte er den Cup zum ersten Mal selbst hochheben.
Ruslan Fedotenko — Der bullige Flügelstürmer hat neben der geteilten Islanders-Geschichte einen weiteren interessanten Fakt zu erzählen: Denn auch er war bereits einmal Stanley-Cup-Sieger – mit den Tampa Bay Lightning im Jahr 2004. Das damalige Spiel 7, das letzte 7. Spiel in den Stanley-Cup-Finals vor dem diesjährigen, fand gegen die Calgary Flames statt. Auch damals führte sein Team mit 2-0, um dann 2-1 zu siegen. Dieses Jahr war es Maxime Talbot, der als neunter Spieler zwei Tore in einem Finalspiel 7 beisteuerte. 2004 war es, der achte Spieler dem dieser persönliche Erfolg zu Teil wurde, Ruslan Fedotenko.
Evgeni Malkin — Mit 36 Punkten wurde Malkin der erste Russe, dem die MVP-Würde in den Playoffs zugetragen wurde. Doch auch erst der zweite Pinguin, der die Art Ross und die Conn Smythe in einer Saison abstaubte. Der erste Pittsburgh-Spieler, dem das gelang, war Mario Lemieux im Jahr 1992.
Sidney Crosby — Auch Sidney Crosbys erster Titel wird ihm in besonderer Erinnerung bleiben. Nicht nur, dass er glatt vergaß, die Hand des gegnerischen Kapitäns, Nick Lidström, zu schütteln. Er war auch im Halbfinale bereit, die Conference-Trophäe feierlich anzufassen und hochzuheben. Beide gebrochenen Traditionen, wenn der verpasste Handshake auch keine Absicht gewesen sein wird, gehören zu seiner ersten Erfahrung mit Lord Stanley. Ganz nebenbei war sein echtes Finale um den Stanley Cup sehr kurz: Nach einer Verletzung zu Mitte des Spiels konnte der Kapitän nur noch einen Kampfeinsatz für die Moral mit einer Länge von 32 Sekunden einlegen. Insgesamt spielte er weniger als zehn Minuten in Spiel 7.
Dan Bylsma — Der erst 38-Jährige Coach des Titelträgers ist eine der besonderen Geschichten dieser Saison. Er brachte es trefflich auf den Punkt, als er sagte, dass manche Trainer Jahrzehnte kämpfen und nie eine Chance auf den Titel haben – aber er gerade mal einige Monate benötigte, um den Traum eines Jeden Eishockey-Beteiligten zu erfüllen. Er übernahm das Ruder in Pittsburgh in einer denkbar schlechten Situation: Am 15. Februar 2009 standen die Penguins am Rande einer total verkorksten Saison. Als Tabellenzehnter im Osten war man bereits einige Punkte von den Playoff-Rängen entfernt. Doch seitdem ging es nur noch aufwärts, über den 4. Platz am Ende der Spielzeit bis zum Sieg des Stanley Cups. Der Unterschied zwischen Verlierer und Gewinner war selten so deutlich: Die Zuversicht und Energie, die der ehemalige 4.-Linie-Spieler in die Umkleide brachte, formte aus Pittsburghs großen Potenzials ein echtes Meister-Team.
Jordan Staal — Nach seinem Bruder Eric, dessen Team aus Carolina er im Halbfinale niederrang, ist Jordan der zweite Staal-Bruder, der sich den Cup-Traum erfüllte. Die anderen beiden, Marc und Jared, könnten noch folgen. Damit wäre man zweifelsohne eine der erfolgreichsten Hockeyfamilien aller Zeiten.
Maxime Talbot — Dass er der erst neunte Spieler aller Zeiten ist, der in einem Finalspiel 7 gleich zwei Tore erzielte, wissen wir bereits. Aber der robuste Kämpfertyp steht bereits mit seinem Spitznamen für wichtige Tore. “The Gamer”, wie er in Pittsburgh auch genannt wird, gelang bereits ein Jahr zuvor in Spiel 5 gegen die gleichen Detroit Red Wings erst kurz vor Ende das Tor zur Verlängerung. Es ging damals wieder für ein Spiel 6 nach Pittsburgh. Dieses Jahr setzte er den absoluten doppelten Schlussstrich unter die Chancen der Wings.
Sergej Gonchar — Dreimal in den Finals und zum ersten Mal gewonnen. Interessant ist, dass Gonchar alle seine Finals gegen die Detroit Red Wings absolvierte. 1998 war er noch Spieler der Washington Capitals. Nun trat er zweimal in Folge als Pittsburgh Penguin gegen die Wings an.
Daniel Cleary — Das Pendant zu Talbot auf Seite der Wings heißt Daniel Cleary. Ihm kann man keinen Vorwurf machen, er gab mit Sicherheit alles und spielte stets am Limit. Dass er in den 23 Playoff-Spielen neun Tore erzielte, zeigt, was der Wille zum großen Erfolg in Bewegung setzen kann. Während der 74 Saisonspiele war der Flügelspieler nur 14 Mal erfolgreich. Aber der erste Neufundländer der im letzten Jahr seinen Namen auf den Cup gravieren durfte, war auch bester Plus-Minus-Spieler dieser Playoffs.
Justin Abdelkader — Es gibt nur wenige Spieler, die mehr Playoff-Spiele als Saisonspiele absolvierten. Abdelkader ist einer davon, zumindest noch. Aber es gibt noch weniger Spieler, die auch ihr erstes NHL-Tor in den Playoffs erzielten. Noch weniger gibt es, die ihr erstes NHL-Tor in einem Finalspiel machten. Und man ahnt es schon: Es gibt nur ganz ganz wenige Spieler, die gleich zwei Tore in den ersten beiden Finalspielen ihrer Karriere beitrugen, mit den ersten beiden Toren überhaupt in ihrer Karriere. Auch wenn er als Ersatzmann nach Spiel 3 nicht mehr zum Einsatz kam, ist sein Karrierestart ein ganz besonderer.
Kris Draper — Draper wechselte 1993 für nur einen Dollar nach Detroit. Nun verpasste er seinen fünften Titel mit den Red Wings nur knapp. Trotzdem ist der nicht mehr ganz so schnelle Checking-Line-Center ein echtes Erfolgs-Schnäppchen gewesen.
Gut zu wissen: 1945 gewann Toronto auch das zweite Spiel 7 um einen Stanley Cup nach 1942 in Detroit mit 2-1. Die Leafs sollten die neue Dynastie werden und vier Titel aus fünf Jahren holen. Eine Parallele mit den Pittsburgh Penguins dieser Tage erscheint naheliegend.
Und zum Schluss die Reihenfolge, in welcher der Cup nach der Übergabe durch Gary Bettman die Runde machte: 1. Sidney Crosby 2. Bill Guerin 3. Sergei Gonchar 4. Miroslav Satan 5. Petr Sykora 6. Hal Gill 7. Philippe Boucher 8. Ruslan Fedotenko 9. Craig Adams 10. Mark Eaton 11. Matt Cooke 12. Pascal Dupuis 13. Chris Kunitz 14. Brooks Orpik 15. Rob Scuderi 16. Marc-Andre Fleury 17. Maxime Talbot 18. Evgeni Malkin 19. Jordan Staal 20. Eric Godard 21. Kris Letang 22. Tyler Kennedy 23. Chris Minard 24. Alex Goligoski 25. Michael Zigomanis 26. Dan Bylsma.
Dennis Seidenberg ist der letzte Deutsche in den laufenden NHL-Playoffs 2009
Für die Carolina Hurricanes, die Martin Brodeur und seine New Jersey Devils praktisch in letzter Minute des 7. Spiels eliminierten, lief alles nach Plan. In der zweiten Playoff-Runde konnten die Hurricanes drei der ersten vier Partien gegen den “Ostmeister” aus Boston gewinnen. Der Deutsche Verteidiger spielte dabei mehr als 20 Minuten pro Spiel.
Doch in Spiel 5 am Abend des 10. Mai wurde Seidenberg zur vermeintlich tragischen Figur: Milan Lucic checkte Dennis Seidenberg und eröffnete damit den Siegeszug der Boston Bruins. Der Deutsche wurde beim Versuch zu Klären hart vom physischen Angreifer attackiert und das Stadion stand Kopf. Im Gegenzug konterten die Bruins und holten eine Strafzeit heraus. Dennis Seidenberg hatte seine gesteigerte Aggression leider in einen Stockschlag eingebracht, der seinem Team eine zweiminütige Unterzahl bescherte. Dieses Überzahlspiel endete frühzeitig mit dem 1-0 für Boston.
Seidenberg, der gegen die Devils in Runde noch drei Vorlagen beisteuerte, ist in Runde 2 immer noch punktlos. Doch eines hat er schon geschafft: Er stellt die Ehrenrettung des deutschen Eishockeys dar. Nach dem frühen Ausscheiden von Christian Ehrhoff und Marcel Goc mit San Jose, dem Nichterreichen der Playoffs von Jochen Hecht und der Verletzung von Marco Sturm ist Seidenberg in eine wichtige Rolle für sein Team gewachsen. Die Hurricanes gehören nicht nur zu den letzten acht Mannschaften der NHL-Meisterschaft, sie haben auch noch alle Chancen auf den Titel.
Auch ohne Titel: Morrow und Hartnell sind Siegertypen der besonderen Art
Brenden Morrow und Scott Hartnell sind zwei der erfahrenen Spieler, die wohl nie durch sehenswerte Tricks oder außergewöhnlich produktive Statistiken auffallen werden. Trotzdem sind diese beiden Top-Line Spieler enorm wichtig für deren Teams.
Morrow, Jahrgang 79, und Hartnell, Jahrgang 82, sind vergleichbare Spielertypen in Lebensphasen, die circa diese drei Jahre versetzt sind. Morrow hat inzwischen 573 NHL-Spiele (168-206=374) bestritten, Hartnell immerhin schon 516 Partien (117-137=254). Und beide spielen eine vergleichbare Rolle in ihrem jeweiligen Team. Der Ältere ist sogar Kapitän der Dallas Stars, der etwas Jüngere ein wichtiger Bestandteil der ersten Reihen und Special-Teams der Philadelphia Flyers.
Das Kernattribut beider Spieler ist darin begründet, dass sie ihr Spiel auf einem hohen Energielevel bestreiten – Shift für Shift, Abend für Abend, Woche für Woche, Monat für Monat. Beide liefern ihrem Team weniger spielerische Klasse, als das unbezahlbare “Momentum”. Nicht dass Morrow und Hartnell keine Tore erzielen würden oder Vorlagen geben könnten – der Wert dieser Spieler liegt einfach in der Motivation, in jedem Schift jedes einzelne Gramm seines Körpers in den Kampf um den Puck zu werfen, um am Ende sein Team erfolgreich zu machen.
Der größte Moment des Brenden Morrow kam Anfang Mai, als er im 6. Spiel der Zweitrunden-Serie gegen San Jose das Spiel seines Lebens absolvierte. Er stand in diesem Spiel, welches erst in der vierten Verlängerung entschieden wurde, 51 Minuten für Dallas auf dem Eis. In 55 Shifts, die jeweils im Schnitt 55 Sekunden dauerten, checkte er 19 Mal. Er spielte in diesem -praktisch über zwei Spiele andauerndem Spiel- konstant auf extrem hohem Energielevel und war am Ende der Glückliche, der den finalen Schuss im Tor unterbringen konnten. Den Series-Winner in der 8.-längsten Partie der NHL-Geschichte. Dazu wird er die Playoff-Saison 2007/08 mit den meisten Hits aller Spieler beenden, nachdem er bereits in der Regular Season mit 260 Hits Platz 3 in der NHL belegte. Zudem stahl er ähnlich viele Pucks wie Pavel Datsyuk, der in der regulären Spielzeit mit Abstand die meisten “Takeaways” verbuchte.
Scott Hartnell kam dagegen sehr schlecht in die Saison. Er wechselte in ein junges Team, welches gerade eine der schlechtesten Franchise-Leistungen hingelegt hatte. Dazu stand er unter starken Druck, da sein Vertrag mit $5.2 US-Dollar gelistet ist und er damit zu den Top-Verdienern gehört. Erwartungsdruck und die Eingwöhnungsphase waren in den ersten 15 Spielen für Philadelphia deutlich spürbar, als Hartnell kein Tor und nur drei Vorlagen beisteuern konnte. Seine Eiszeit sank auf fast zehn Minuten. Doch Hartnell spielt jedes Spiel, als wäre es das Finale um den Stanley Cup. Und als der Druck nach ließ, er die Chemie im Team fand, brach er aus: Im Januar 2008 erzielte er 17 Punkte in 13 Spielen, darunter elf Tore und zwei Hat-Tricks. In den Playoffs verhalf Hartnell seinem Team zum Erfolg in den ersten beiden Runden, bevor man erst im Conference Final gegen Pittsburgh ausscheiden musste. Ohne zu übertreiben kann man sagen, dass seine Rolle in der ersten Reihe mit Daniel Briere und Vaclav Prospal entscheidet war, damit diese technisch und läuferisch begabten Spieler ihr Potenzial auf das Eis und ins gegnerische Netz bringen konnten.
Beide Spieler werden vielleicht nicht besonders viele Titel holen. Aber sie werden Shift für Shift, Abend für Abend, Woche für Woche und Monat für Monat dafür spielen. Als wenn jedes Spiel das Endspiel um den größten Preis des Hockeysports, den Cup des Lord Stanley, sei.
Am Ende gewann Montreal, Philadelphia und San Jose. Für die emotionalen Teams aus Boston, Washington und Calgary ist die Saison vorbei.
Es wären schöne Geschichten gewesen. Die vermeintlichen “Underdogs” liegen erst zurück und kommen dann doch noch zum Sieg. Aber es kam leider wie erwartet.
Die Bruins und Capitals haben sich in die Herzen der Eishockey-Fans gespielt. Erst überlebten diese Teams ein wahnsinnig spannendes Finale der regulären Spielzeit. Dann starteten beide unglaubliche Aufholjagden in der ersten Plaoff-Runde. Die Bruins holten den formal letzten Playoff-Platz, die Capital den eigentlich letzten Playoff-Platz am letzten Spieltag. Für beide begann die Playoff-Zeit im Januar 2008: Denn jeder Punkt zählte. Wo Boston immer über dem Strich stand, sah Washington um den Superstar Alexander Ovechkin spätestens nach der bitteren Niederlage gegen Pittsburgh einem Drama ins Auge. Am 9. März traf Nicklas Backstrom kurz vor Ende des Spieles gegen die Penguins ins eigene Netz. Nur wenige Wochen später waren alle Gewinner: Die Capitals siegten in elf der kommenden 12 Spiele und holten völlig überraschend die Carolina Hurricanes an der Spitze der “South-East”-Divison ein. Die Bruins machten es fast ähnlich spannend, als sie die Buffalo Sabres als einziges Team in der NHL mit 90+ Punkten auf Platz 9 verdrängten.
Die erste Runde der Playoffs begann verheißungsvoll für die Calgary Flames – und endete umso enttäuschender. Es war das 4. Spiel der Serie gegen das zweitbeste Team der Liga, die San Jose Sharks. Die Flames, eines der leidenschaftlichsten Teams in der NHL, erkämpften gegen den Favoriten ein 2-1 Führung. Im vierten Spiel stand es nun ebenfalls 2-1 für Calgary, als noch fünf Minuten zu spielen waren. Fünf Minuten fehlten, für eine klare 3-1 Serienführung, welche wohl das Ende dieses Erstrunden-Aufeinandertreffens bedeuted hätte. Doch es kam anders: Zuerst war es Jonathan Cheechoo, der einen scharfwinkligen Schuss im Tor Miikaa Kiprusoffs unterbrachte. Dann war es Joe Thornton, der einen Abfälscher vorm Tor mit nur zehn Sekunden zu spielen ins Tor lenkte. Das Spiel war aus, es stand 2-2 in der Serie und es ging zurück nach San Jose. Am Ende verlore Calgary Spiel 5, um Spiel 6 für die Niederlage im 7. und entscheidenden Spiel zu gewinnen. Calgary, das flammende Herz Kanadas war wieder ausgeschieden.
Die Boston Bruins waren dagegen bereits nach vier Spielen gegen Montreal ausgeschieden. Carey Price war einfach nicht zu überwinden. 27 Mal feuerten die Spieler aus Boston auf das gegnerische Tor, um am Ende mit 0-1 das vorentscheidende Heimspiel an das beste Team aus dem Osten abgeben zu müssen. Mit einem 1-3 Rückstand ging es nun wieder nach Montreal und jeder dachte die Luft sei raus. Aber Boston plante anders: Man entschied sich zu kämpfen und nicht aufzugeben, bis man vier Mal verlor. Und in der Tat, der Torhüter Montreals wurde weich: Fünf Tore in Spiel 5, fünf Tore in Spiel 6 – Boston war auf einmal zurück. Spiel 6 war zudem ein enomer Wechsel des vielzitierten “Momentums”. Montreal führte 2-1 und wäre bei diesem Ergebnis in Runde 2. Dann kam das Schlussdrittel, in dem bereits in Spiel 4 vier Tore für die Braunbären fielen. Nach dem frühen Ausgleich läutete die Uhr die letzten zehn Minuten ein. Zehn denkwürde Minuten. Denn Montreal ging wieder in Führung. Und Boston stürmte: Erst der abermalige Ausgleich, dann die erste Führung. Das Haus stand Kopf – für elf Sekunden. Freudentaumelnd erstarrte das Spiel der Bruins kurz, ausreichend lange um den erneuten Auslgeich durch Montreal hinnehmen zu müssen. Dieses wirkte wie eine Adrenalin-Spritze direkt ins Herz. Boston stürmte wieder: Und sinnbildlich war es Marco Sturm, der den Sieg für die Gastgeber sicher stellte. Zehn Minuten, fünf Tore und hoffentlich keine toten Herzpatienten. Das war der moralische Sieg der Boston Bruins, denn Spiel 7 ging mit 5-0 an Montreal. Boston draussen, aber nicht ohne eine emotionale Geschichte hinterlassen zu haben.
Emotional zur Sache ging es ebenfalls für Washington. Die Capitals waren auf einmal Dritter im Osten und trotzdem Außenseiter. Jeder NHL-Fan, außer vielleicht den Flyers-Fans, glaubte an die Hauptstätter. Dieser wahnsinnige Endspurt in der Saison, diese unglaublichen Spieler – allen voran der MVP Alexander Ovechkin, der Calder-Nominierte Nicklas Backstrom und der beste Torschütze unter den Verteidigern Mike Green. Ein junges Team, angeführt von einem der besten drei Coaches der abgelaufenen Spielzeit, Bruce Boudreau. Eigentlich hatte keiner der aufgeführten NHL-Playoff-Erfahrung. Und so lagen die Captials auch 2-4 zurück, nach den ersten zwei Dritteln Playoff-Hockey. Doch Washington hätte sich nicht in die Herzen der NHL-Fans gespielt, wäre der Spielstand zu irgendeinem Zeitpunkt der letzten 12 Spiele ein Hinderniss gewesen an den Erfolg des Teams zu glauben. Mit Ovechkin, Backstrom und Green gewannen die “Caps” das Spiel mit 5-4. Das Foto eines überschäumenden Ovechkin und eines freudetrunkenen Green, welche sich beide knapp einem Meter über den Eis in die Arme gesprungen waren – einer dieser historischen Momente, die nur Playoff-Hockey schreibt. Es zeigte zwei Spieler und ein Team im Hintergrund, welche 12 Spiele vor den Playoffs kaum Hoffnung auf die ultimative Belohnung einer erfolgreichen Saison hatten. Nur um das Unmögliche zu beweisen. Doch die Freude hielt nicht allzu lange an. Die folgenden drei Spiele gingen an die Flyers. Washington wieder mit dem Rücken zur Wand, im Wissen drei Spiele in Folge gewinnen zu müssen. Jetzt noch an das Unmögliche zu glauben, wo das 4. Spiel gerade in der zweiten Verlängerung verloren ging, war schier unreal. Aber es passierte. Washington holte zwei Siege in Folge und stand zu Hause vor der Sensation. Es war wieder Verlängerung, beim Stand von 2-2. Das nächste Tor bringt ein Team in Runde 2. Die Entscheidung fiel, als Capitals-Verteidiger Tom Poti vom Eis musste. Zwei Minuten Strafzeit wegen Beinstellens. Eine unglückliche Entscheidung des Schiedsrichters, der damit über das Ende der emotionalsten Zeit eines jungen Teams richtete. Das Tor fiel, nach einem Abpraller, für die aufopferungsvoll kämpfenden Flyers. Trotzdem hieß der Sieger Washington, denn die Leistung dieses Teams über Wochen hinweg bleibt ein beachtlicher Teil der Geschichte “2008 NHL Playoffs”.
In der ersten Runde platzten drei Träume, dreier emotionalen Mannschaften. Drei Teams versuchten das Unmögliche in sieben Spielen gegen übermächtige Gegner zu erreichen. Und gaben alles, um an Ende knapp zu scheitern. Drei wunderbare Geschichten der ersten Runde, an denen am Ende ein verflixtes 7. Spiel stand.